- Kunstrasen -

 

Lampertheimer Zeitung, Dienstag den 09. Juli 2009 

In einem Jahr geht nichts mehr
TVL IM INTERVIEW Vorstand kämpft für Sanierung und Neubau eines Kunstrasenplatzes

 
  

Vom 08.07.2009

LAMPERTHEIM. Das Gelände des Turnvereins Lampertheim (TVL) befindet sich auf der früheren Kreismülldeponie. Dadurch ist der Untergrund instabil und der Tennenplatz bald nicht mehr bespielbar. Wir sprachen mit dem TVL-Vorsitzenden Frank Schall und seinem Vize Ralf Müller über die Zukunft des Spielbetriebs unter diesen negativen Vorzeichen.

Welche Auswirkungen hat der Plan der Bahn, nicht weit vom TVL-Gelände eine ICE-Trasse zu bauen?

Frank Schall: Der Lärm, der dadurch entstünde, beeinträchtigte uns massiv. Wir sind wegen dieses Themas in engem Kontakt mit der Bürgerinitiative BILA. Ich besuche BILA-Sitzungen, den Aktionstag kürzlich haben wir unterstützt, zum Beispiel durch die Markierung des Trassenverlaufs. Bei unserer Jahreshauptversammlung hatten wir Unterschriftenlisten gegen die C-Trasse und BILA-Informationsmaterial ausliegen.

Vor wenigen Wochen hat der TVL zahlreichen Kommunalpolitiker den Tennenplatz gezeigt und auf die Notwendigkeit einer Sanierung hingewiesen. Haben sich die Politiker dazu geäußert?

Schall: Wir haben noch keine Reaktion. Das Thema ist somit in den Fraktionen bekannt und sicherlich auf einem guten Weg. Generell hat ein Tennenplatz eine Nutzungsdauer von 15 bis 20 Jahren, unserer ist sogar schon 27 Jahre alt. Durch eine gute Pflege und jährlich auf eigene Kosten durchgeführte Instandsetzungsarbeiten haben wir die Grundsanierung so lange als irgend möglich hinausgezögert.

Das geht nun nicht mehr?

Schall: Nein, es kann inzwischen kein Wasser mehr ablaufen, weil der Unterbau durch die Deponiesetzungen stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Es ist definitiv keine oberflächenbezogene Sanierung mehr möglich, ein Neubau ist unumgänglich. Das Ganze ist existenziell für 400 aktive Fußballer.

Wie kann die Sanierung finanziert werden?

Ralf Müller: Wir hoffen auf Unterstützung durch die früheren Inhaber der Mülldeponie, also die Stadt Lampertheim und den Kreis Bergstraße, beziehungsweise dessen Rechtsnachfolger, den Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB).

Schall: Die verantwortlichen Entscheidungsträger wissen schon länger um das Problem. Auch beim Kreis liegt seit Jahren ein TVL-Zuschussantrag vor. Dieser ist mittlerweile relativ weit oben auf einer Prioritätenliste der Kreissportstättenkommission. Wir hoffen auf einen positiven Bescheid im kommenden Jahr.

Was muss der TVL an Eigenleistung bringen?

Schall: Die Sanierung eines Tennenplatzes bei intaktem Untergrund kostet zirka 250000 Euro. Der wegen des belasteten Geländes notwendige Neubau eines Kunstrasenplatzes kostet zirka 650000 Euro zuzüglich etwa 200000 Euro für die Erstellung eines tragfähigen Unterbaus. Für die Umwandlung eines Tennen- in ein Kunstrasenspielfeld sind rund 350000 Euro zu veranschlagen. Dies bedeutet, dass aufgrund der früheren Nutzung des Geländes als Mülldeponie zusätzliche Kosten in Höhe von zirka 500000 Euro anfallen, die der Verein nicht zu verantworten hat. Wir möchten durch die Realisierung des Kunstrasenplatzes verhindern, dass insbesondere die jugendlichen Fußballer zu anderen Vereinen in der Region abwandern. Zudem spart man die bei Tennenplätzen anfallenden wöchentlichen Aufbereitungsarbeiten. Um die Gesamtkosten zu decken, sind öffentliche Mitteln nötig, der TVL hätte zirka 300000 Euro selbst zu finanzieren.

Hat der TVL 300000 Euro Eigenmittel?

Schall: Die sind noch eine Herausforderung. Der TVL hatte in den letzten Jahren viele Sanierungen zu finanzieren: fast 200000 Euro für die sanitären Anlagen, rund 90000 Euro für die Heizung, 130000 Euro für den Hallenboden und 120000 Euro für die Dachsanierung. Deswegen haben wir das Thema Tennenplatz auch hinausgeschoben, bis es nicht mehr ging.

Müller: Wenn die Stadt Lampertheim Hilfe zusagt, packen wir das Thema an. Wir denken daran, ein hohes Maß an Eigenhilfe zu leisten, Sponsoren, die speziell dieses Projekt unterstützen, zu suchen und Mitglieder, Freunde und Gönner um Spenden zu bitten.

Schall: Die Verantwortlichen unserer Fußballabteilung haben darüber hinaus sicherlich auch noch zahlreiche kreative Ideen, wie Gelder für diese Maßnahme akquiriert werden können.

Besteht die Gefahr, dass bald keine Spiele mehr stattfinden können?

Schall: Ja, in spätestens einem Jahr werden die Schiedsrichter auf diesem Untergrund keine Spiele mehr anpfeifen. An etlichen Stellen tritt der schotterartige Unterbau heraus. Dadurch besteht erhebliche Verletzungsgefahr. Nach Regenfällen bilden sich Wasserlachen und Pfützen mit teilweise bis zu zehn Zentimetern Tiefe.

Ist sichergestellt, dass es keine Setzungen mehr nach einer Sanierung gibt?

Schall: Laut Gutachten wird es kaum Setzungen geben. Die natürlichen Verrottungsprozesse sind weitestgehend abgeschlossen.

Müller: Zudem besteht die Möglichkeit, ein Kunstrasenspielfeld auch kleinflächig ausbessern.

Ist es denkbar, dass der neue Platz nicht auf ehemaligem Deponiegelände gebaut wird?

Schall: Die Fläche hinter unserem Vereinsgelände ist in gestreutem Privatbesitz, dort ist auch vor nicht allzu langer Zeit eine Flurbereinigung erfolgt. Im Norden und im Süden sind wir von ehemaligen Deponieflächen umgeben. Durch die auf gewachsenem Grund stehende vereinseigene Jahnhalle sind wir an den Standort gebunden.

Wie lange würde die Platzsanierung dauern? Wo spielen die Mannschaften in der Zeit?

Schall: Die Maßnahme wird mindestens sechs bis acht Monate andauern. Begonnen werden sollte möglichst im Frühjahr 2010, unmittelbar nach Beendigung der Fußballsaison.

Müller: Es wird Beeinträchtigungen geben. In den Sommermonaten können einige Mannschaften sicherlich auf den angrenzenden Rasenplatz ausweichen. Dies gilt aber nicht für alle 16 Teams, da die Spielfläche durch die intensive Nutzung sonst irreparable Schäden erleiden würde. Dort gibt es zudem kein Flutlicht. Zur Durchführung des Trainings- und Spielbetriebs müssen wir uns nach geeigneten Ausweichmöglichkeiten umsehen.

Das Interview führte Oliver Lohmann.
 


 

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Lampertheimer Zeitung, Donnerstag den 14. Mai 2009 

Kunstrasenplatz gewünscht
SANIERUNGSBEDARF TV Lampertheim kämpft mit Mülldeponie-Nachwirkungen
 

 
  

Vom 14.05.2009

Von Oliver Lohmann

LAMPERTHEIM. Der TV Lampertheim möchte aus dem an der Turnhalle befindlichen Tennenplatz einen Kunstrasenplatz machen - vor allem weil der bestehende Platz sehr uneben und daher nicht zum Fußballspielen geeignet ist. Am Dienstagabend waren die Mitglieder des Stadtentwicklungs- und Bauausschusses vor Ort, um sich über die Platzsituation und die nötigen Sanierungsmaßnahmen zu informieren.

"400 Kinder und Jugendliche spielen wöchentlich auf diesem Platz. Alljährlich haben wir hier ausgebessert, doch das geht jetzt nicht mehr. Der Untergrund muss aufbereitet werden", erklärte TVL-Vorsitzender Frank Schall den Politikern und interessierten Bürgern, während eine Jugendmannschaft auf dem unebenen Platz dem Ball nachjagte. Sein Verein, die Stadt Lampertheim und der Kreis Bergstraße müssten das Projekt Kunstrasenplatz gemeinsam stemmen, befand Schall.

Rainer Snowadsky vom Osnabrücker Planungsbüro Pätzold & Snowadsky erläuterte den Politikern die Ergebnisse des Gutachtens, das er im Auftrag des TVL erarbeitet hatte. Demnach seien Höhenunterschiede von 70 Zentimetern auf dem Hartplatz festgestellt worden. Die Ursache: Die Kreismülldeponie, die sich hier bis 1975 befand, hat sich gesetzt - und zwar ungleichmäßig. Snowadsky schlug vor, ein Kunstrasenfeld mit stabilem Unterbau zu errichten. In den Deponiekörper soll dabei nicht eingedrungen werden. Der Ingenieur gab sich sicher, dass die Deponiesetzungen zu 70 bis 80 Prozent abgeklungen sind. Nach der Sanierung erwarte er eine Absenkung von maximal 5 bis 10 Zentimetern. Ein Nachverdichten in einigen Jahren sei möglich, falls nötig.

Für Sanierung und Neuanlage müsse die Achse des Platzes aber um 90 Grad gedreht werden, denn im nördlichen Bereich des bestehenden Hartplatzes seien wesentlich geringere Setzbewegungen. "Dann kann man wieder vernünftig Sport betreiben", urteilte der Gutachter und betonte seine Erfahrung beim Sportplatzbau. Auch in Iserlohn sei ein Sportplatz auf einer Deponie saniert worden - nach dreieinhalb Jahren gebe es kaum Absackung.

Im Süden des Kunststoffrasenplatzes könne ein Bolzplatz entstehen, so ein weiterer Vorschlag Snowadskys. Da bei diesem keine Stabilisierung des Untergrunds geplant ist, sei allerdings mit weiteren Setzungen zu rechnen.

Rechnen müssen nun die Politiker, denn der Gutachter legte eine Kostenkalkulation vor, die 870000 Euro für Untergrund-Sanierung und Kunstrasenplatzbau vorsieht. Das seien zwischen 150000 und 180000 Euro mehr als für einen Kunstrasenplatz ohne Deponie-Unterbau. Dazu kämen Kosten für den Bolzplatz. Zwecks Stabilisierung seien unter den Kunstrasenbelag unter anderem eine Geotextilschicht sowie 50 Zentimeter Füllboden und eine 30 Zentimeter dicke Bodenverfestigung zu planen.

Bürgermeister Erich Maier betonte, der Rasenplatz nebenan und das Areal des Tennisclubs, ebenfalls auf der ehemaligen Deponie gelegen, seien bereits saniert. Eine Diskussion fand nicht statt - offenbar müssen die Politiker erst die Geldsumme verdauen.


 

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Lampertheimer Zeitung, Donnerstag den 14. Mai 2009 

Geschickt kombiniert

 
  

Oliver Lohmann zur Platzsanierung

 

Heute Politiker in Lampertheim zu sein, ist sicher frustrierend. Altlasten führen zu ständig neuen Ausgaben und damit Kopfzerbrechen. Vergangene Entscheider-Generationen in Lampertheim haben nicht bedacht, dass Mülldeponien in sich zusammensacken. Nun sind darauf gebaute Sportflächen mehr als uneben, und es muss immer wieder Geld in die Sanierung gesteckt werden. Da können sich Stadt und Kreis nicht ganz aus der Verantwortung stehlen.

Der TV Lampertheim allerdings kombinierte die Sanierungsnotwendigkeit geschickt mit der Forderung nach einem Kunstrasenplatz. Der größere Anteil an den Kosten geht für den Kunstrasenplatz drauf - die Politiker sind nicht verpflichtet, den zu bezahlen. Kommt es aus Geldmangel dazu, dass nur der Tennenplatz saniert wird? Denn die Einnahmensituation der Stadt wird sich angesichts der Wirtschaftskrise verschlechtern. Und: Wenn der Tennenplatz beim TVL saniert wird, sollte der Platz, auf dem die Azzurri spielen, ebenfalls saniert werden. Denn der ist wegen der früheren Mülldeponie ähnlich uneben und bietet daher ein hohes Verletzungsrisiko.

 

 

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Hierzu der Leserbrief vom 16.05.2009

 

Zum Bericht über den Wunsch des TVL nach einem Kunstrasenplatz und den Kommentar „Geschickt kombiniert“ vom 14. Mai:


Sportliches Überleben


Eigentlich erwartet man von einem Kommentator eine sachlich fundierte Analyse eines Sachstands. Hier hat sich Herr Lohmann jedoch in eine falsche Richtung manövriert.

Als jahrelanger Jugendleiter und nunmehr Sportausschuss der Fußballabteilung des TV Lampertheim kann ich diese Kommentierung nicht so stehen lassen. Allein schon die Überschrift will dem neutralen Leser vermitteln, dass der TVL mit List und Tücke den verantwortlichen Politikern die unabdingbare Sanierung des maroden Hartplatzes als nicht durchführbar darstellt und dafür ein Kunstrasenneubau schmackhaft machen will. Der Tennenplatz ist leider nicht mehr sanierbar. Da der Hartplatz auf einer ehemaligen Mülldeponie gebaut wurde und es dadurch zu erheblichen Setzungen gekommen ist, ist es notwendig, zunächst den Untergrund zu bearbeiten. Es bleibt daher nur die Drehung des Platzes um 90 Grad und ein Neuaufbau als Kunstrasen auf dem Bereich des Geländes, welches in Zukunft sich nur noch unwesentlich setzen wird. Wie man diese Tatsache als „geschickt kombiniert“ darstellen kann, wird seitens der Verantwortlichen des TVL nur mit einem verständnislosen Kopfschütteln registriert.

 

Ganz und gar nicht passt der Vergleich mit Azzurri Lampertheim. Hat Herr Lohmann vergessen, dass im Adam-Günderoth - Stadion im Rahmen des Konjunkturprogramms ein Kunstrasenplatz gebaut werden soll? Dass Azzurri Lampertheim zwei Seniorenmannschaften stellen, die am Spielbetrieb teilnehmen? Jugendarbeit Fehlanzeige. Dass der TVL dagegen 16 Mannschaften zum Spielbetrieb angemeldet hat? Dass bei einem nur etwas stärkeren Regen der Tennenplatz weder zum Training, geschweige denn zu einem Spiel nutzbar ist? Dass der TV Lampertheim über 300 Jugendliche die ganze Woche über im Trainingsbetrieb beschäftigt und damit einen wertvollen gesellschafts- und sozialpolitischen Beitrag leistet?

 

Wenn diese Argumente nicht zählen, was zählt denn dann? Sicher ist die derzeitige und auch zukünftig absehbare finanzielle Lage der Kommunen nicht rosig, doch wenn der Wunsch nach einem Kunstrasenplatz nicht in naher Zukunft verwirklicht werden kann, ist ein erheblicher Mitgliederschwund von Fußballern nicht zu vermeiden, da diese dann bessere Trainingsund Spielmöglichkeiten bei Vereinen, die einen Kunstrasen ihr Eigen nennen, suchen werden. Die gesamte, mit sehr viel Herzblut und ehrenamtlichem Engagement aufgebaute Jugend- und Entwicklungsarbeit der letzten zehn Jahre wird langsam, aber sicher zunichte gemacht. Das sollten alle Verantwortlichen bei ihrer Entscheidung berücksichtigen.

 

Und hier können sie dann „geschickt kombinieren“: das sportliche Überleben der Fußballabteilung des TV Lampertheim – kombiniert mit der Möglichkeit eines zeitgemäßen Sportbetriebs junger Menschen.


Frank Willhardt,
Lampertheim


 

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